Hintergrund

Name: Miss Cherry Moonlight
Kategorie: Drag Queen & Kunstfigur
Geburtsstätte: Cottbus
unterwegs seit: Oktober 2006
Beruf: Sozialarbeiterin
Mission: Vielfalt, Prävention HIV&Aids
Leitsatz: "Kleines Licht, verbrenn Dich nicht!"

Es war einmal...

Foto: Stefan Fiedler, 2019

So beginnen die meisten Geschichten, so fängt das an, was in den Gedanken der Menschen verborgen liegt und in Märchen und Geschichten aufersteht. Miss Cherry Moonlight ist einem lebendigen Traum entsprungen. Es gab mehrere Stationen in meinem Leben, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Der Gedanke, eines Tages auf halsbrecherischen Schuhen in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein keimte in meiner Jugendzeit. Irgendwo liegt auch ein dickes Buch persönlich psychologischer Grabenkämpfe und mittlerweile habe ich halbwegs verstanden, warum ich so bin, wie ich bin.

Beeindruckt und zugleich verliebt in die Rolle großer und mächtiger Frauen zog es mich vor der Entstehungsgeschichte der Miss Cherry Moonlight in den Bann einer ganz besonderen und zugleich bezaubernden Künstlerin. Mary, alias Georg Preuße weckte in mir das, was mich zutiefst berührte. Ein Mann steht seine Frau und begeistert Menschen in höchster Perfektion. Die Auseinandersetzung mit den künstlich geschaffenen Bildnissen brachten natürlich auch andere sehenswerte Geschöpfe ans Tageslicht. So inspirierten mich Filmrollen und zugleich Schauspieler auf der ganzen Welt. Die "Bibel" und zugleich wohl wertvollste Schaffung, To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmare (1995).

Mein Weg begann zu Halloween im Jahr 2006

Ein erster Gehversuch auf Cottbuser Straßen. Mein damaliger Besuch in einer der queeren Szene recht nahen Kneipe, wird mir lange in Erinnerung bleiben. Was ursprünglich als Scherz angesehen war, entwickelte sich in rasender Geschwindigkeit. Kaum auf der Tanzfläche stehend, traten weitere Menschen aus ihren dunklen Ecken hervor und gaben ihrer Persönlichkeit mit einem neuen Outfit eine ganz eigene Definition. Der Fluss ward kaum aufzuhalten und die "Szene" in Cottbus erlebte einen bunten Luftzug, der sich über einige Zeit hinweg hielt. In diesem Zusammenhang trug es mich verstärkt in die HIV/Aids Präventionsarbeit, denn "nur" das Rampenlicht und aufwändige Kostüme waren mir zu wenig. Im Einsatz für den in Cottbus gegründeten AIDS-Hilfe Lausitz e.V. trugen mich die Füße durch etliche Abende und Partys. Miss Cherry Moonlight verzauberte die Herzen und trotz schmerzvoller Erfahrungen nahm der Fahrtwind zu. So entwickelten sich stückweise Aufgaben, Kontakte und Netzwerke. Auf der einen Seite ein sehr schöner und reizvoller Weg, auf der anderen aber auch ein schwieriger.

Soziale Projekte interessieren mich, da hierbei der Versuch unternommen wird, etwas mit der gegebenen Zeit anzufangen. Menschen suchen nach Möglichkeiten, unser Leben ein Stück besser zu gestalten. Da auch meine Zeit begrenzt ist, habe ich mich vor einigen Jahren entschieden, mein Schaffen in erster Linie dem "Thema Aids" zu widmen. Die Immunschwächekrankheit ist kaum Thema, da die medizinische Versorgung in den letzten Jahren verbessert wurde. Kein Thema mehr zu sein heißt auch, keine Auseinandersetzung mehr zu führen und auch keine Fragen mehr zu stellen. Diese Haltung finde ich problematisch.

In unserer heutigen Zeit zu sensibiliseren ist durchaus herausfordernd, besonders dann, wenn Menschen drei Meter an einem Infostand vorbei laufen und sich augescheinlich für nichts interessieren. Mit einem auffallenden Kostüm reiße ich bewusst Menschen aus dieser Haltung. Oft hilft ein Lächeln.